Fliegender Flickschuster

wieder ein Artikel aus dem vespafreien Umfeld

Als ich klein war, gab es in meiner kleinen Heimatstadt zwei Flickschuster. Der eine war ein wenig ordentlicher als der andere. Bei beiden aber türmten sich die alten Schuhe der Stadtbewohner, die noch zu schade zum Wegwerfen - aber dennoch mit leichten Mängeln behaftet waren.

 

Und für kleines Geld - meist handelte es sich um 50 Pfennige oder so, war der Schuh durch die Kunst der Handwerksmeister dann noch eine Zeitlang tragbar.

Die Mischung der Gerüche aus altem Leder, Schweißfüßen und den Ausdünstungen des Schusterleimes in den beiden Flickschustereien hat sich so tief in mein Gedächtnis gefressen, dass ich ihn sofort wieder abrufen kann. 

 

Auf Bali ist es für die meist armen Einwohner auch heute noch wichtig, Schuhe nicht bei den ersten kleinen Verfallserscheinungen zu entsorgen. Und so gibt es hier den mobilen Flickschuster.

 

Dieser hier trug in zwei grünen Material- und Werkzeugkisten die Grundlage seines Lebensunterhalts an meiner Wohnung vorbei - Glück für mich und meine Sandalen, dass ich gerade in der Haustür stand. Sie waren fast nicht mehr tragbar.Für etwa einen Euro hat er sie in 15 Minuten neu besohlt.

 

Er bietet aber auch die Vor-Ort-Reparatur von Matratzen und Kopfkissen an. Den Service für Matratzen kann ich ja noch verstehen - aber welche Merkmale ein Kopfkissen mit Schuhen gemein hat, wird sich meinem Verständnis wohl für immer entziehen.

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